Selbst inszenierter Stress und Angst vor medizinischen Überforderungen

Selbst inszenierter Stress und Angst vor medizinischen Überforderungen

Eigentlich haben fast alle im Gesundheitssystem das gleiche Ziel: aus Nächstenliebe Kranken und  Leidenden zu helfen. Ein sehr großes Berliner Krankenhaus heißt nicht ohne Grund „Charité“ (Nächstenliebe) und nicht: “Gelddruckmaschine mit der Not anderer“.

Die Erwartungen einer Gesellschaft an ihr Gesundheitssystem können hoch sein: es soll Menschen effektiv vor Krankheiten schützen und sie heilen. Das schafft Medizin ein bisschen, meistens. Und je schlauer sie wird, immer öfter.

Außerdem aktuell hier soll das Gesundheitssystem möglichst profitabel sein. Mit der natürlichen Not der Menschen möchten einige möglichst viel Geld verdienen. Gesundheit ist wie Boden knapp. Damit kann man gut Geld verdienen. Alter und medizinische Not gelten einigen als ideales Geschäftsmodell. Das ist nicht nur asozial, absurd, menschenverachtend und inhuman, es funktioniert auch nicht.

Medizin soll die Insel der Humanität im Meer der Inhumanität sein. Im ökonomischen Leben und bei sich selbst soll nur Geld, Naturmissachtung, Narzissmus und Ichoptimierung gelten. Manche merken erst, wenn sie schwerkrank sind, dass sie erstaunlicherweise Natur sind, ebenso so wie die Viren und Bakterien. Medizin soll die humane Ausnahme sein. Wie denn?

Zusätzlich verlangen die kranken Menschen in ihrer Not von den Helfenden auch noch  Wunder, Göttliches, Überirdisches. Sie sollen ihnen nicht nur helfen ihr Leid zu lindern, nein, sie soll sie vollständig heilen. Alles soll wieder so werden wie vor der Krankheit.

Und sie selbst wollen möglichst nichts dazu beitragen, weder durch Vorsorgen noch durch Selbsthilfe, impfen z.B. schon mal gar nicht. Und auf schädliche Suchtmittel verzichten geht auch nicht. „Nur ich zähle“, ICHOkraten halt. Am liebsten wollen sie mit Karacho ohne Rücksicht auf Verluste leben. Und wenn es körperlich schief, geht soll der (Not) Arzt mit unmenschlichen Kräften alles wieder heile machen.

Alle in der Medizin wissen eigentlich, dass das nicht geht. Ein unverantwortliches die eigene  Natur verachtendes Leben soll durch die Medizin wieder heile gemacht werden? Geht doch gar nicht.

Zudem, irgendwas bleibt von einer Krankheit immer zurück, bestenfalls eine kleine Narbe auf oder im Körper. Medizin hat inzwischen gelernt, bei den meisten Erkrankungen Linderung zu verschaffen, oft auch weitere Lebenszeit und gelegentlich Trost, mehr aber nicht. Sie kann weder hexen noch Wunder vollbringen.

Medizin wird von normalen Menschen betrieben. Und die können auch schwach sein. Konfrontiert mit den an sie gerichteten übergroßen Hoffnungen Schwacher, Kranker, einer inhumanen naturleugnenden Gesellschaft passen sie sich an. Und lassen sich als überirdische Heiler inszenieren und loben. Genießen es, wohl wissend, wie unrealistisch die Hoffnungen der Kranken gelegentlich sein können.

Weil Medizin fast immer Gutes tun will, bricht sie möglichst nicht den unberechtigten Optimismus Kranker auf eine vollständige Heilung. Sie (not) lügt ein bisschen. Vielleicht klappt eine komplette Heilung ja doch, wer weiß das schon. Natur ist unberechenbar. Sicher ist nur: Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit schadet Kranken zusätzlich. Also lässt man sich auf Unwahrheiten ein. Spielt Inszenierungen und Rituale mit, nutzt Gesten der Macht, mit Heiler-Verkleidung, mit dem Nimbus der permanenten Fehlerlosigkeit. Irgendwann sieht man sich selbst so wie die hoffenden Kranken. Man klebt an seinem Kittel, kann sich selbst nur noch fehlerlos handelnd vorstellen, genießt die verliehene Macht, braucht sie, klebt an ihr, kann nicht mehr ohne. Berentete Ärzte können schnell sterben.

Dieser Balanceakt ist für die in der Medizin Beschäftigten oft schwierig durchzuhalten. Einige überfordern sich dabei.

Sie bemühen sich zum Teil weit über ihre eigenen Kräfte hinaus gehend Kranken zu helfen. Nehmen dabei oft wenig Rücksicht auf die eigenen Grenzen oder die der Angehörigen.

Dulden es, dass ihr menschenfreundlicher Altruismus ausgenutzt wird. Manche Kranke fordern ihn egoistisch als normal ein. Sie sehen ihn als Teil des bezahlten Berufs, und nicht mehr als ein Geschenk eines Menschen an Schwache. Gerade reiche Schwache glauben ein bezahltes Recht auf unbegrenzten Altruismus zu haben. Altruismus ist für sie nur eine Dienstleistung, auf die sie glauben ein (bezahltes) Recht zu haben. Sie seien ja schließlich Gast in einem gefälligst gut geführten (viel zu teuren Medizin) Hotel. Und Gäste seien wie Könige zu behandeln. In Chefarzt-Privatabteilungen zu arbeiten ist unter Assistenzärzten verhasst.

So eine Anspruchshaltung überfordert die in der Medizin Arbeitenden als Menschen. „Ärztinnen und Ärzte dienen der Gesundheit des einzelnen Menschen und der Bevölkerung. Der ärztliche Beruf ist kein Gewerbe.“ So heißt es in der Bundesärzteordnung, bindend geltend für alle Ärzte.

Die gegenwärtige Realität ist meist anders. Medizin ist eigentlich die gegenseitige vernünftig angewandte  Menschlichkeit und somit das Gegenteil dessen, was unser Wirtschaftssystem von uns verlangt und aus uns macht. Im Kapitalismus geht es beim handeln vorrangig um Geld verdienen, nicht um Mitmenschlichkeit.

Ärzte und Ärztinnen und alle anderen gehen viel zu oft bis an oder über ihre menschlichen Grenzen. Viele brennen bei ihren Tätigkeiten regelrecht aus. Ihre Familien können  zerbrechen. Oft reichen nicht einmal mehr die aufwendigen Kurzurlaube oder der Sport aus, um wieder hinreichend Kraft zu schöpfen. Man isoliert sich in der Überforderung.

Noch schwieriger wird es, wenn man trotz persönlicher Überforderung einigen Kranken nicht oder nicht mehr helfen kann. Das kann zwar normal sein. Viele empfinden das aber als persönliche Niederlage. Zu Verlieren haben sie oft nie richtig gelernt. Also negieren sie die Situation. Hilflos geworden weichen sie Todkranken aus, machen um Sterbende einen Bogen. Schieben sie zu ihren Familien oder in Hospize ab. Im medizinischen Bereich der Niedergelassenen ist letzteres oft die Regel. Hausbesuche bei Todkranken rechnen sich nicht.

Andere bemerken ihre medizinischen Niederlagen schon nicht mehr. Haben sich in Medizin-Roboter verwandelt. Kranke sind ihnen Vorgänge. Medizinische Behandlungen werden zu  hochkomplexen Ratespielen oder Handwerksleistungen. Sie wollen mit Kranken als Mitmenschen möglichst wenig zu tun haben. Ihre Empathie gilt anderem, manchmal nur sich selbst. Die eigentlich hoch vernünftige Arbeitsteilung in der Medizin kann solche Haltungen enorm fördern.

Medizinische Niederlagen können für das sozial akzeptierte Konstrukt „Mediziner als Heiler“, also Mensch mit Sonderrechten, gefährlich werden. Die Gesten der Allmacht, die Heiler-Verkleidung, der Nimbus der permanenten Fehlerlosigkeit werden hohl. 

Noch schlimmer wird es für empathische Medizin-Menschen, wenn man bei der Behandlung kleine oder größere schwerwiegende Fehler macht, menschliche, aber unverzeihliche. Sie sich selbst einzugestehen mag gerade noch gehen. Sie untereinander in Hierarchien zu bereden kann schwierig werden. Man braucht meist geschlossene Türen und externe  Verschwiegenheit, um offen, ehrlich, kollegial und ohne Hierarchien über begangene Fehler diskutieren zu können. Kollegialität bezieht sich dabei auf alle Beteiligten, nicht nur auf die Oberen oder Unteren. Hierarchien können hier extrem dysfunktional sein. Nur offen kommt man menschlich und medizinisch weiter, überlebt man einigermaßen heile selbstverschuldete Niederlagen.

Nur mit dem offenen Eingestehen und Diskutieren von medizinischen Fehlern kann man verhindern, dass Fehler wiederholt werden. Im Krankenhaus kann eine gegenseitige kollegiale freundliche Kontrolle einigermaßen unkompliziert organisiert werden. Regel ist sie eher selten, ist aber eigentlich Überlebensbedingung der Medizin. Im Bereich der meist isoliert arbeitenden Niedergelassenen ist das viel schwieriger. Dort ist eine gute Fehlerkultur wie auch so oft in der „freien Wirtschaft“ die Ausnahme.

Krankenkassen können die fehlende medizinische Fehlerkultur kaum ersetzen. Als Mittel haben sie die Kontrolle von Geldströmen und direkte bürokratische Maßnahmen. Oft lassen sie diese durch einen eigenen externen medizinischen Dienst organisieren. Der aber kann nur die größten und systematischen Fehler entdecken, hat im Detail oft nicht die medizinischen Kompetenzen der direkt fehlerhaft Handelnden.  

Die medizinische Fehlerkultur extern z.B. über individuelle Gerichtsverfahren ersetzen zu wollen, verkennt das Heikle und Besondere medizinischer Tätigkeiten. Es ist kontraproduktiv, wenn z.B. Krankenhaus-Versicherungen das Eingestehen von medizinischen Fehlern  gegenüber Patienten aus Kostengründen per Vertrag mit einem Schweigegebot behindern können. Auch Rechtsanwälte können der Offenheit schaden, wenn sie sich darauf spezialisiert haben, die Wut oder Verzweiflung von Betroffenen über (vermeintliche) Fehlbehandlungen in Prozesse umzusetzen. Ombudsmenschen z.B. in Krankenhäusern können da viel hilfreicher sein

Die Kontrolle über eine eigene Gerichtsbarkeit der Ärzte der Ärztekammer ist im Notfall wirksamer. Ein Kammergericht ist i. A. hoch kompetent besetzt. Es kann sicherer entscheiden, ob eine medizinische Tätigkeit unethisch oder grob fahrlässig war. Sie hat zudem ein hoch wirksames Druckmittel: sie entscheidet darüber, ob einen Arzt seinen Beruf weiter ausüben darf. Man wünscht sich so eine interne Kontrolle für alle ausgeübten Berufe.

Ohne offene, gut organisierte Fehlerkultur kann eine gute sich entwickelnde Medizin nicht funktionieren.

Medizin ist nicht statisch. Ihr Wissen wächst dramatisch. Sie verändert sich kontinuierlich. Als Erfahrungswissenschaft hat sie enorm viel aus ihren begangenen Fehler gelernt. Sie muss ständig weiter experimentieren, will sie sich verbessern. Beharrlicher Stillstand und gutgemeintes Schweigen helfen Kranken nicht wirklich weiter.

Medizinisches Personal besteht meist aus hoch verantwortlich denkenden Menschen, und das meint alle Beteiligten, nicht nur die Ärzte. Ihnen fällt es extrem schwer, mit selbstverschuldeten medizinischen Niederlagen leben zu müssen. Meist tun sie alles, um sie zu vermeiden. Aber sie sind geschehen. Menschen sind eben keine Maschinen. Und Natur ist Natur. Zum Beruf gehören diese schrecklichen persönlichen  Niederlagen. Danach Weglaufen geht nicht. Es geht immer am nächsten Morgen weiter. Die nächsten Hilfe erwartenden Kranken warten schon.

Das bleibt für alle in der Medizin nicht ohne persönliche Folgen. Missbrauch von Drogen gibt es auch im medizinischen Personal, die Scheidungsraten sind hoch. Einige sterben früh. Neben allen (handwerklichen) Fähigkeiten und enormen Wissen braucht man eine sehr große menschliche Stabilität, um die Belastungen auszuhalten, jeden Tag, jede Nacht. Kaum jemand bleibt ohne Narben. 

Was hilft?

Man kann abweisend werden, hochmütig, herrisch, zänkisch, zynisch, sich in Hierarchien verstecken. Manche legen sich eine dicke Haut zu, machen sich unempfindlich, manchmal sogar blind. Manche werden sehr gläubig. Einige blenden ihre medizinischen Niederlagen einfach aus, rennen weg, wenn sie erkennbar werden. Andere suchen sich medizinisch Harmloses, beschränken sich auf Einfaches, nehmen dort nur ihre kurzfristigen Erfolge wahr, lassen die Finger weg von allem medizinisch Komplizierten. Meist wissen sie nicht, wie es mit den von ihnen Behandelten weiterging. Sie verstecken sich hinter der Arbeitsteilung. Oft haben sie geregelte (Tages) Arbeitszeiten. Notfälle und Kompliziertes sollen andere machen. Die absurde gegenwärtige Kommerzialisierung der Medizin fördert diese kontraproduktive und destruktive Entwicklung.

So funktioniert Medizin aber nicht.

Menschen sind zerbrechliche Lebewesen, keine Kunden, keine Geldbatzen. Krankheiten sind Teil der Natur, so wie sie sind, wann und wo immer. Krankheiten rechnen sich nicht. Sie können aus netten Menschen ungeduldige, nervige, schreckliche, ungerechte, verwirrte und arme Lebewesen machen. Humane Medizin sollte ihnen immer helfen, egal wie sie sind. Das französische Wort „Charité“ heißt, wie gesagt, übersetzt Nächstenliebe, nicht Geldmaschine.

Wie schützt man sich vor der Angst vor den eigenen Niederlagen?

Ein häufig genutztes und zeitweise stabilisierendes Ritual ist der inszenierte und gesuchte maximale Stress aller. Man arbeitet für alle erkennbar immer knapp am Rand seiner physischen und psychischen Möglichkeiten. So kommt man um Selbstvorwürfe und Vorwürfe anderer bei Niederlagen herum. Man hat ja offensichtlich sein Möglichstes getan, bis hin zur eigenen Erschöpfung.

Das funktioniert aber nur, wenn alle Beteiligten ohne Ausnahme sich stressen und gestresst sind. Also organisiert man medizinisches Handeln entsprechend, organisiert ein Stress-Hamster-Rad. Jeder stresst jeden. Man kann das erreichen durch chaotische Dienstpläne, unsinnige Arbeitsteilungen, irrsinnige Hierarchien, Dauerkriege zwischen Zusammenarbeitenden, medizinisch unsinnige bürokratische hirnrissige Tätigkeiten, und und und. Oft ist der Sinn dieses Unsinns nur, einen für alle  erkennbaren Stress für alle herzustellen. Dadurch wird zwar das gesamte Handeln hoch ineffizient, wenig rational und und dreht sich im Kreis, aber keiner fühlt sich mehr verantwortlich oder gar schuldig.  

Organisatorische Inkompetenz kann als Mittel benutzt werden. Wenn man ein einfach zu lösendes Problem nur hinreichend chaotisch organisiert, sind alle Beteiligten gestresst. Auch wenn Inkompetente in einer Hierarchie mehr zu sagen haben, als sie verstehen und alle anderen wissen. Und so gestresst fühlt sich niemand mehr für medizinische Niederlagen eigenen Handelns verantwortlich. Man gewöhnt sich an das Nicht- oder suboptimale Funktionieren aller. Und dann funktioniert gute Medizin nur noch dann, wenn man als Mitmensch ausserhalb des inszenierten Stresses handelt: „.. trotz alledem..“, man macht einfach. 

Das Ritual des allgemeinen inszenierten Stresses als Schutz, um sich Niederlagen persönlich nicht stellen zu müssen, hat Grenzen. Medizinisches Handeln kann so chaotisch werden, dass trotz Stresses aller die medizinischen Versorgung nicht mehr funktioniert. Zudem verlieren viele die Lust daran, ordentlich zu arbeiten. Dienst nach Vorschrift ist neben absolutem Egoismus aber das schlimmste, was versorgender Medizin passieren kann. Zudem, in eine erkennbar chaotisch organisierte Medizin haben Kranke kein Vertrauen mehr. 

Das Schutzkartell „selbstverordneter Stress“ funktioniert nur bei Konsens aller.

Wie z.B. bei der Polizei, die gelegentlich in ähnlichen Situationen ist wie die Medizin, bilden sich Schutzkartelle. Ihnen sollen sich möglichst alle unterwerfen. Wer sich innerhalb der Medizin den verordneten Stressstrukturen widersetzt oder entzieht, gilt gerne als nicht mehr dazu gehörig, ein Nestbeschmutzer. Burgmentalitäten beherrschen den Alltag.

Sich z.B. als Arzt der dauernder Arbeitsüberlastung durch eigentlich unzulässigen Überstunden dadurch zu entziehen, dass man seine Arbeitszeit reduziert, gilt in den unsinnig organisierten Stresssystemen als Hochverrat. Es wird entsprechend geahndet, gelegentlich kollektiv. Diese (Aussenseiter) Menschen werden gemobbt. Oder werden sie von vorne herein ausgeschlossen: es gibt im Gesundheitssystem zu unterschreibende Arbeitsverträge, die offen gesetzwidrig sind. Die Aufforderung im Bewerbungsgespräch ohne Zeugen bei einem chirurgischen Chefarzt an eine sich bewerbende Ärztin: „Geben sie mir ihre Gebärmutter, und sie bekommen die Stelle“ ist historisch und heute kaum noch möglich. Das Mobben ist diskreter geworden. Motivierender ist es nicht.

Was hilft gegen die durch selbstorganisierten Stress vorhandene Desorganisation?

Mit- und Selbstbestimmung auf allen Ebenen, egalitäre Kooperation, extrem flache Hierarchien, menschliche Hilfe, Endkommerzialisierung des Gesundheitssystems, Solidarität, Kompetenz statt Stress, aber auch Ende der Konsumentenhaltung der Patienten: Vorsorge und Selbstbeteiligung.  

Wozu die fehlende Fehlerkultur, Kommerzialisierung des Gesundheitssystems und der selbstorganisierte Stress führen, sieht man im Großen: das deutsche Gesundheitssystem ist eines der teuersten der Erde, aber nur Mittelmaß bei der Güte der von ihm erbrachten medizinischen Leistungen. Mehr Geld hilft nicht unbedingt weiter. Es ist desorganisiert, lähmt sich selbst. Es muss sich normalisierend effektiv und human umorganisieren, die Idee Geldmaschine zu sein aufgeben, Patienten als selbst handelnde Menschen ernst nehmen. Wohlan.

Taktlosigkeit und Ökonomie als überwertige Idee

Taktlosigkeit und Ökonomie als überwertige Idee

Vorneweg

In der Evolution ist im Menschen ein sehr differenziertes Gehirn entstanden. Menschen nutzen es als Überlebensvorteil. Komplex lernend und differenziert können sie auf Beobachtbares oder Erfahrbares für ein sicheres Überleben reagieren. Das Gehirn ordnet und vereinfacht Erlebtes in Sinne und Regeln. Diese können über Sprache weitergegeben und von anderen erlernt werden. Menschliche Zivilisation entsteht. Ist etwas nicht zu verstehen, kann das Gehirn halluzinieren. Es denkt sich zu anders nicht Verstehbarem wie Krankheiten und Tod Sinn und Regeln aus. Es passiert leicht, dass es diese Halluzinationen für Realität hält und an ihnen festhält. Man nennt diese dann in der Psychiatrie „überwertige Ideen“, wenn sie durch Erfahrungen noch veränderbar sind. Um sie stabil zu halten, glauben Menschen an sie ohne Realitätsnachweise. Religionen und Ideologien sind wahrscheinlich so entstanden. Sind diese „Ideen“ nicht mehr modifizierbar durch Realität, nennt man sie „Wahn“, eine körperliche Erkrankung des Gehirns.

Im Folgenden soll gezeigt werden, daß die aktuelle Ökonomie eine „überwertige Idee“ geworden ist, die wie zuvor Religionen unsere Eigenschaften als Menschen strukturiert und unser Handeln dominiert.

 

Wo auch immer man heute hinsieht, das Leben von uns Menschen scheint aus dem Takt geraten zu sein

Irgendwie ist hier alles durcheinander

Unser aktuelles angeblich hoch zivilisiertes Leben als Menschen hier wirkt oft so, als sei es völlig aus dem Takt gekommen. Hässliche Unordnung fast überall draussen, Natur bis auf Reste entsorgt, das Recht des vermeintlich Stärkeren wo man hin sieht, Rücksichtlosigkeit am besten gegenüber allen, Chaos als Normalzustand, Herumblöken als Sprache, nicht zu vergessen die Dauer-schlechte-Laune vieler. Glücklich sind hier nur wenige. Gelassen von allen akzeptiert geordnet wirkt nur wenig.

Es ist, als seien hier viele verrückt: diese Menschen träumen auf ihrer Arbeit am Montag Morgen vom vermeintlich besseren Leben am kommenden Wochenende. Sie freuen sich monatelang auf die wenigen Tage ihres Urlaubs. Nur in diesen Zeiten scheint ihr Leben richtig gut zu sein, normal, ihnen angemessen. Für diese Zeit lohne es sich zu leben, denken sie. In ihrem Alltag hingegen erleben sie vieles als aus der Ordnung geraten, als zu hektisch, zu chaotisch, auch sinnlos. „Leben wie im Hamsterrad“ sagen sie, wenn sie über ihren ihnen sinnlos erscheinenden Alltag reden.

Die lebendige Natur ist hochkomplex organisiert, „durchgetaktet“

In den Resten lebendiger Natur, die solche zivilisierten Menschen dann gerne z.B. im Urlaub aufsuchen, ist das noch anders, zumindest solange die Natur noch einigermassen intakt ist. Getaktet und anscheinend gelassen organisieren sich dort viele Lebensformen in sich ordnenden Kreisläufen. Man glaubt die sinnvollere Ordnung zu spüren, man spürt die Ruhe.

Es geht dabei nicht immer so zu, wie wir Menschen es in unserer anthropozentrischen Hybris als „human“ bezeichnen würden. Natur ist nicht das bunte Menschen-Dysneyland, das wir aus unseren Medien kennen. Aber es ist auch nicht nur ein, wie von manchen Menschen gerne betont, „Fressen und Gefressen werden“. Dies einfache „Jäger-Opfer Schema“ reicht nicht aus, wie sich inzwischen herausstellte, wenn man die Komplexität des Zusammenlebens des Lebendigen erklären möchte. Sieht man genau hin, entdeckt man, daß erstaunlich oft einzelne Lebensformen direkt miteinander kooperieren, zum gegenseitigen Nutzen. Auch direkte Symbiosen sind oft zu finden, sind bei uns Menschen konstitutiv.

Insgesamt organisieren sich die sehr verschiedenen Lebensformen zu einem erstaunlich stabilen, komplexen, getakteten Zusammenhang. Wir nennen ihn „das Lebendige“ oder „die Natur“. Dieser Zusammenhang bleibt, sieht man sich die vielzelligen Säugetiere an, über viele Millionen Jahre robust. Einzelliges Leben existiert seit Milliarden von Jahren stabil auf der Erde. 

Unser menschlicher Körper ist als klitzekleiner, eigentlich unbedeutender, Teil der Natur des Lebendigen auch so organisiert. Er ist als Teil einer Gattung hoch stabil. Als Individuum jedoch ist ist er nur mäßig robust. Alter, Krankheiten, Hunger plagen ihn. Dennoch, wir Menschen gehören zu den langlebigen Lebensformen.

Die mehr als 30 Milliarden einzelnen Zellen unseres Körpers kooperieren getaktet

Die vielen einzelnen Zellen unseres Körpers kooperieren, getaktet. Am einfachsten sind die Taktungen vielleicht erkennbar am rhythmischen Herzschlag oder dem regelmäßigen Atmen.

Aus etwa 30 000 Milliarden Zellen (30×1012) besteht jeder von uns. Zu der Zahl, mit der kaum jemand etwas anfangen kann: auf der Erde gibt es 8 Milliarden Menschen. Unser Zellen sind also mehr. Eigentlich sehr erstaunlich, wie kooperativ, meist reibungslos, getaktet und geordnet die vielen Zellen in unserem Körper funktionieren. 

30 000 Milliarden Zellen, das reicht aber noch nicht. Wir sind noch viel mehr Zellen und noch mehr Ordnung. Für Menschen, die sich für die Spitze der Schöpfung halten, ist der nächste Befund wahrscheinlich eine Zumutung: unser Körper ist nur als getaktete Symbiose mit vielen anderen („niedrigen“) Lebensformen in und auf ihm überlebensfähig. Bakterien, Archaeae, Einzeller, Pilze und Viren besiedeln uns. Das „Mikrobiom“ in und auf uns ist für uns überlebenswichtig. Und sind mindestens nochmal soviel Lebewesen wie wir Zellen haben. Ohne all diese „Mitbewohner“ sind wir nicht lebensfähig. Viren, Bakterien und Archaeen stehen am Anfang des Lebens auf der Erde. Über Milliarden Jahre bevölkerten sie sie alleine. Dann enstanden irgendwann die Säugetiere, noch sehr viele später eine Gattung namens Mensch. In und auf jedem von uns Menschen ist so ein Rest sehr alter Erdgeschichte.

Doch es geht noch weiter: in jeder unserer 30 000 Milliarden Zellen lebt ein ehemaliges Proto-Bakterium sein eigenes Leben nach eigenen Regeln, die „Zellorganelle Mitochondrien“. Wir Menschen sind auf Zellebene Symbionten, Fusionsprodukte. Pflanzenzellen sind das übrigens auch. Sie beherbergen neben den Mitochondrien noch eine weitere Lebensform in sich, die Chloroplasten. Und die stammen von Cyanobakterien ab und organisieren u.a. die Photosynthese. Zudem, Pflanzen brauchen Bakterien. Ohne die vielen Bakterien und anderen Lebensformen an ihren Wurzeln wären sie kaum lebensfähig. Geordnete Symbiosen also, wohin man in der lebendigen Natur auch hin schaut.

Wir Menschen wollen das ja nicht glauben: da kooperieren 60 000 Milliarden Lebewesen (Zellen und anderes) miteinander, und das funktioniert ohne König, Diktator, Religion, Streit und Krieg. Geht doch gar nicht.

Lange glaubten viele, Leben funktioniere, weil sich immer das mächtigste Lebewesen durchsetzt. Sie beriefen sich auf Darwin. Doch sie hatten dessen Befunde verkürzt. Nicht der stärkste, der fitteste Organismus setzt sich durch. Und Fitness kann viel sein. Die verkürzte Theorie benutzen Menschen gerne, wenn sie unsere brutale Ökonomie mit Regeln der Natur begründen wollen.

Bezogen auf unseren eigenen Körper ist diese Theorie aber offensichtlicher Unsinn. Würde sie stimmen, bliebe im Leben nach einiger Zeit von den 60 000 Milliarden Zellen, die wir sind, ja immer nur eine übrig. Das ist aber offensichtlich nicht so. Dieser Theorie funktioniert als Erklärung zum Funktionieren unseres Körpers also nicht so recht.

Es gibt aber eine Ausnahme: „entartete“ Tumorzellen in uns kooperieren nicht mit gesunden Zellen. Sie „denken nur ans sich“, tricksen „egoistisch“ alle anderen Zellen des Körpers aus. Sie leben also so, wie es in der gegenwärtigen Wirtschaft zu geht und dort zum normalen Leben erklärt wird. Und wenn die Tumorzellen sich durchgesetzt haben, sind sie alleine. Der Mensch ist tot und wenig später endet der Tumor ebenfalls.         

Unser Gehirn ist getaktet

Wir Menschen haben gegenüber vielen anderen Spezies den Vorteil eines hochentwickelten, sehr leistungsfähigen, getakteten Gehirns.

Kreisende elektrische getaktete Erregungen auf unseren 65 Milliarden Gehirnzellen sind das Korrelat dessen, was „wir“ als „Denken“ und „ICH“ erleben. Die Taktungen der Nervenzellen variieren ständig, bleiben aber komplex aufeinander bezogen. Man kann sie im EEG beobachten. Heftige Störungen der Taktungen führen zu Funktionsstörungen des Gehirns, z.B. Bewusstseinsverlust oder Epilepsie.

Unser so strukturiertes Gehirn erleichtert zielgerichtetes und lernendes Handeln. Das ist unser primärer Überlebensvorteil als Gattung. Daneben erlaubt es aber auch „freies und komplexes Denken“. Komplexe „ICH“ Strukturen können entstehen. Gedankengebäude mit Eigenleben entwickeln sich. Die  Ideen für ein besseres Überleben lassen sich so leichter schaffen und in selbst geschaffenen nützlichen Regeln fixieren. Eine ist die, dass man versucht den „Sinn“ von einer Beobachtung zu verstehen. Verstand entsteht.

Das Gehirn schafft Handlungsanweisungen für Verständliches und  Unverständliches

Selbsterdachte bzw. durch Erfahrung gewonnene meist sprachgebundene Ordnungs- und Regelsysteme konnten entstehen. Sie erleichterten das Überleben. Dass sie zwischen Menschen und Generationen tradiert werden können, erwies sich als ein dramatischer Vorteil unserer Gattung. So konnte sich relativ schnell nützliches Wissen vermehren und innerhalb der Menschen verbreiten.

Das Gehirn reicht nicht aus, um alles, was um einen Menschen geschieht, zu verstehen. Vieles bleibt unverständlich, z.B. das Wetter, Naturunglücke, Krankheit und Tod aber auch das Leben selbst. Wir Menschen leben, warum auch immer, nicht gerne mit Unverständlichem. Wie helfen wir uns? Wir machen dies Unverständliche, aber auch einfach nur Ausgedachtes oder Erträumtes, zu Mythen. Dann hängen wir ein Schildchen daran: „Das muss man einfach glauben“. Und schon befindet es im Bereich des Benennbaren, Verstehbaren und Sinnhaften. Geordnet befindet es sich (mit seinem Schildchen) neben dem, was sich als sicher Brauchbares aber auch Ausprobierbares herausgestellt hat. 

Diese Gedankengebäude können unter günstigen Bedingungen ein Eigenleben entwickeln. Metaregeln können sich unabhängig von Erfahrungen innerhalb dieser Gedankengebilde bilden und fixieren. So sind möglicherweise die unterschiedlichen religiösen Gedankengebäude entstanden. Sie können das Leben und oft auch das Zusammenleben erleichtern. Für das Zusammenleben sinnvolle aber schlecht kontrollierbare Regeln können Menschen in diese Gedankengebäude fixieren. So dachte man sich (all) mächtige aber unsichtbare Wesen aus, die die Einhaltung der Regeln konrollieren. Bei Nichteinhaltung können sie, so geht dies Gedankengebäude weiter, den Menschen nach dem Tode (allmächtig) bestrafen.

In der Medizin bzw. der Psychiatrie kann man solche Gedankengebäude auch als „überwertige Ideen“ bezeichnen, also Ideen, die sich Menschen selbst schaffen und von denen sie sich starr leiten lassen. Ideologien können auch hier zu gehören. Begriffe wie Freiheit, Vaterland, Nation u.a. gehören auch in diese Kategorie. Im Gegensatz zum „Wahn“ sind sie nicht „körperlich fixiert“, also Folge einer somatischen Fehlfunktion des Gehirns. „Überwertige Ideen“, die ja an Sprache gebunden sind, kann man auch durch andere Ideen verändern, sind also plastisch. 

Aus den Gehirn-Ideen zum Austausch von Gütern wurde die überwertige Idee Ökonomie

Über das Gehirn entwickelten Menschen auch zwischenmenschliche Umgangsregeln, um auch über weite Entfernungen und mit Fremden Güter austauschen zu können.

„Ökonomie“ entstand, anfangs als einfacher Tausch von Gütern  oder ähnlichem. Man entwickelte einige einfachen Regeln. Hieraus hat sich das Menschengehirn-erdachte Ordnungssystem Ökonomie entwickelt. Zeitäquivalente wurden nach festen Regeln zu „Geld“, aus Gütern wurden „Waren“.

Und dann verselbständigten sich irgendwann (ähnlich wie bei Religionen) diese Regeln, wurden langsam „überwertige Ideen“. Das „Geld“ verselbständigte sich, bekam „ein Eigenleben“, die „Geldwirtschaft“ entstand. Irgendwann entwickelte sich aus diesen Gedanken-Konstrukten das einer „kapitalistischen Warenproduktion“. Erst konnte man aus Geld Geld machen, dann wurden Menschen selbst zu kaufbaren Waren und man konnte sie auf einem Markt für Geld kaufen, um sie für sich arbeiten zu lassen. Dann wurden die Besitzrechte an Arbeitenden als Aktien an Börsen verkauft. Und diese entwickelten ein Eigenleben wie zuvor das Geld.

Das Gehirn-Konstrukt „kapitalistische Warenproduktion“ ist zwischen den Menschen expandiert, hat sich fest in ihre Köpfe gebohrt, ist eine überwertige Idee geworden.

Dieses Gehirn-Konstrukt ähnelt in seiner Struktur dem einer Religion. Aus Praktischem ist es entstanden, wurde mit eigenen Regeln versehen. Aus Geld wurde Macht. Irgendwann verselbständigte es sich, wurde unangreifbar gemacht. Wurde mit leicht erkennbaren Strukturen der eigenen Macht versehen und expandierte.

Über seine Nützlichkeit und gleichzeitige Unangreifbarkeit hat dies Gehirn-Konstrukt wie die Religionen Macht über Menschen bekommen. Und die dachten, da benutze man etwas Nützliches, Neutrales. Und dann hat es die Menschen Stück für Stück sozial umgestaltet. Nach vielen Generationen erschien den Menschen ihre ehemalige eigene Idee wie ein Gegenstand, der schon immer da war und alles regelt, unabhängig vom eigenen Willen, mit eigenen Regeln.

In dieser Situation sind viele Menschen heute. Sie unterwerfen sich den Regeln und Strukturen, der ehemals selbst geschaffenen (Ökonomie) Denk-Konstrukte. Sie passen sich in ihren eigenen Strukturen an deren Regeln an, werden zu diesen Denk-Konstrukten. Aus Menschen werden „Individuen“, vereinzelte Warenverkäufer ihrer selbst auf einem Markt der Arbeitskräfte.

Aus der Ware Arbeitskraft wird irgendwann das sich optimierende Individuum. „Wirtschaftshandeln“ aber auch „soziales Handeln und Sein“ scheinen ohne die  Strukturen dieser überwertigen Idee undenkbar. Wir Menschen wurden Gläubige unseres eigenen (Ökonomie) Denkkonstrukts, akzeptieren und verehren es wie eine Religion.

Das Denkkonstrukt Ökonomie ist wenig natürlich und funktioniert chaotisch

Dieses Denkkonstrukt „Ökonomie“ bzw. „kapitalistische Warenproduktion“ ist erstaunlicherweise wenig naturähnlich.

Ordnungen wie in der Natur sind nicht sein Vorbild. In dem Denkkonstrukt gibt es vieles nicht, was uns Menschen als natürlich vorkommt: Taktungen, Kooperationen, Symbiosen, Zeit, Empathie, Liebe, Achtung. Statt setzt es auf Chaos, den alles regelnden „Markt“.

Es baut unser Inneres um, indem es zu seinen Gunsten einige unserer schlechtesten menschlichen (biologischen) Eigenschaften fördert, Eigenschaften, die das Christentum lange als Todsünden bezeichnet hat: Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit und Unmäßigkeit. Einzig Trägheit verhinderte es.

Es macht uns Menschen irgendwann selbst zu kaufbaren Waren auf einem später anonymen Arbeitskraft-Warenmarkt. Somit isoliert es uns als soziale Wesen, zerschlägt unsere gewohnten „wertlos gewordenen“ anderen sozialen Kooperationssysteme.

In unberührten Ecken bleiben uns nur Reste normalen Lebens, weil die „Ökonomie“ dort nicht funktioniert. Z.B. die Kleinkindheit: neugeborene Kinder sind schlecht zu Waren ihrer Eltern zu machen. Kinder zahlen nicht für die Dienstleistung „groß gezogen werden“. Kinderleben funktioniert einfach nicht als Warenwelt. Hier greifen noch uralte Mechanismen der Biologie des Menschen als Säugetier, wie z.B. bei der Elternliebe. Säugetier-Eltern verteidigen (biologisch geprägt) ihre Nachkommen auch unter eigener Lebensgefahr, ein sich „überhaupt nicht rechnendes Geschäft“, ein völlig „absurdes Geschäftsmodell“.    

Dies Denk-Konstrukt Ökonomie setzt, um zu funktionieren, als Ordnungs- und Sozialsystem Anarchie ein, die Anarchie des Marktes von Gütern, Menschenleistungen und Menschen. So seien angeblich die immer knappen menschlichen Ressourcen am einfachsten und besten zu organisieren. „Wertvolle Zeit“ sei so am leichtesten zu sparen, sagen seine aktuellen Religions-Jünger. Und lügen sogar noch: „Das bringt Nutzen für alle“, wohl wissend, wie wenig das für viele Menschen und die Natur stimmt.  

Das von unserm Gehirn erdachte (Austausch) Sozialsystem hat sich, einmal erdacht, von unserem biologischen Leben gelöst. Es wurde dabei fast unabhängig von konkreten Menschen. Immer mehr Menschen werden Teil seines Getriebes, das automatisch nach eigenen Regeln zu laufen scheint.

Unser Denkkonstrukt Ökonomie verdrängt unsere Natur und Taktungen

Natur, selbst unsere eigene biologische, ist in so einem ökonomischen System nur noch Störgröße. Geldkreisläufe zählen, strukturieren.

Natur ist als zu vernachlässigender Rand daneben allenfalls geduldet, solange sie nicht stört. Eigentlich braucht dies ökonomische System gar keine Menschen. Es würde auch als Computerspiel laufen können. Und, es würde mit (fast) ausschließlich Maschinen betrieben wahrscheinlich leichter funktionieren. Schon heute machen Rechner mit ihren Algorithmen und nicht arbeitende Menschen in großem Stil aus Geld mehr Geld. Zumindest ist das das Erfolgsmodell von Großbanken, die Rechner rund um die Uhr mit (Währungs) Geld erfolgreich extrem schnell und mit riesigen Geldsummen spekulieren lassen.

Wir Menschen lassen uns also von unserem eigenen irgendwann mal ausgedachten Gehirn-Konstrukt über die Erde treiben. Wir leben längst in der heute von vielen so befürchteten „Künstlichen Intelligenz Welt“, in der Algorithmen uns leiten könnten. Wir haben das schon lange: unser soziales Leben regelt der Algorithmus „Kapitalistische Warenproduktion“. „Inflation“, hat es je eine demokratische Abstimmung über die Entwertung des Geldes mit all seinen sozialen Folgen z.B. für Rentner gegeben? Wohl eher nicht. 

Der heutige vielen als altertümlich geltende Marx nannte diesen Vorgang „Entfremdung“. Goethe hatte unsere Ohnmacht im Gedicht  „Der Zauberlehrling“ beschrieben. Wie und wann auch immer entstanden, nun unterwirft es uns.

Seine „Taktlosigkeit“ stört den nicht modulierbaren Rest in uns

Doch die Überwältigung der Menschen durch dies Denk-Konstrukt gelingt nicht vollständig.

Es ist wie bei den Religionen: einige halten sie einfach für falsch und glauben nicht mehr an sie. Wenn die Religionen sich durch ihre um sich selbst kreisenden Diskussionen (Scholastik sagte man dazu) zu weit vom realen (biologisch geprägten) Leben ihrer Mitglieder entfernen, werden sie nicht mehr ernst genommen. Und so verlieren sie ihre Macht über Menschen. Sie gehen an ihrer Selbstbezogenheit zugrunde und lösen sich als Denk-Konstrukt auf. Überwertige Ideen sind keine Natur, leben nicht ewig.

Auch der Ökonomie gelingt die „Vergewaltigung“ von uns Menschen nicht vollständig. Vieles von dem, was uns alltäglich über die Ökonomie vermittelt begegnet, erscheint uns immer noch als falsch, als Fehltaktungen.

„Das ist doch nicht normal“, „Da geht es ja nur noch um Geld, nicht mehr um Menschen“, „Menschlichkeit fehlt“, sagen viele und beziehen sich dabei auf die erlebte eigene Biologie, deren Ordnung sie in dem Algorithmus Ökonomie nicht wiederfinden.

Oft eigentlich von Natur aus oft eher träge erleben viele Menschen sich so, als lebten sie in einem automatisch sich drehenden Hamsterrad. Und das scheint von einem automatischen unverständlichen nicht regelbaren Mechanismus angetrieben zu sein.

Aber, wir schaffen uns dieses Hamsterrad auch gegenseitig: jeder treibt den anderen an. Man merkt es, wenn man mit einem Auto mit 40 km bei erlaubten 50 km als Höchstgeschwindigkeit in einer Großstadt wie Stuttgart fährt. Man wird „verhupt“ und bedrängt: „Hamsterrad für alle“, „Mein Recht auf Stress“ scheinen diese Menschen zu fordern. „Totalität“ nannte man das mal, wie eine  Religion die auch überall und nirgends ist.

Zynisch, lamentierend oder aufgebend passiv kommentieren wir, daß dieser verrückt gewordene Automatismus uns nach seinen Regeln durch das Leben jagt. „Die Zeit ist verrückt geworden“, sagen manche. „Zeit“ kann nicht verrückt werden.

Im Umgang zwischen Menschen erleben wir seine Anarchie als Taktlosigkeit.

Menschen verlieren die Achtung voreinander. Primär der Geldwert zählt, nicht andere Eigenschaften von Menschen. Der Alltag verliert einen selbst gewählten Takt. Kinder müssen frühmorgens fast noch schlafend zur Schule, weil ihre Biologie sich nicht rechnet. Auf der Strasse als Fußgänger sich gegenseitig zu negieren oder an zu rüpeln gehört gerade in großen Städten schon zu den normalen Umgangsformen. Selbst die für unser Überleben als Gattung essentiellen und eigentlich biologisch gut geregelten Paarbeziehungen funktionieren immer brüchiger oder nicht mehr. Die Fertilität sinkt. Wir Menschen erkennen das und versuchen uns mit Liebesgeschichten oder Liebesliedern zu trösten. Unser Denk-Konstrukt Ökonomie hat Liebe oder Güte als Kategorie des Handelns nicht vorgesehen. Wie dem auch sei,  wir erleben uns gegenseitig viel zu oft eher als Störgrößen denn als (biologische) Mitmenschen.

Unser uns prägendes Wirtschaftsleben kennt nur noch einen rücksichtslosen Takt, und das ist der des immer mehr Geld-Verdienens, egal wo, egal wie, aber immer müssen. Achtung und Takt gegenüber Mitmenschen? Rechnet sich das? Was ist das? Kann man das kaufen oder verkaufen? Mit Gewinn?

Ungetaktete Bewegungsprozesse

Auch unsere Bewegungsprozesse sind anarchisch, ungetaktet, also taktlos, oft auch respektlos.

Heute bewegen wir uns und unsere Güter oft über weite Entfernungen, schon fast alltäglich global. Die Regelung dieser Verkehrsströme überlassen wir obigem Algorithmus. Also werden die Transportprozesse chaotisch.

Unsere überwertige Idee (Ökonomie) gaukelt uns vor, wir seien alle Individuen. Jeder lebe für sich alleine auf der Erde und nur er/sie sei selbst für sein Leben verantwortlich, also auch für seinen Transport. Diese Sicht hat wenig mit unserem realen sozialen oder biologischen Zusammenleben zu tun, mit einem langfristigen oder vernünftigen schon mal gar nicht.

Und wie von einer überwertigen Idee getriebene Narren setzen wir uns oft mehrheitlich zum Transportieren an einen anderen Ort alleine und gleichzeitig in unsere Autos und wundern uns, daß wir dann in Staus stehen. Oft beschimpftes Beispiel ist das Transportmittel öffentliche Eisenbahn. „Ökonomisch organisiert“ werden seine Bewegungen taktlos, verlieren Ordnung und somit ihre Brauchbarkeit durch „Fahrgäste“, „rechnen“ sich aber für den Besitzer, angeblich meistens.

Ungetaktete Behausungen, absurde Wahrnehmung von Erde als Immobilienboden

Die Bestimmung der Orte und Struktur unserer Behausungen und Arbeitsstellen ist ebenfalls meist anarchisch und ohne menschliche Takte.

Die Herstellung der gebauten Welt, – Häuser, Straßen, Industrieanlagen u.a.,-  orientiert sich nur selten an Ordnungen, die die Biologie des Menschen abbilden. Nestbau vom Säugetier Mensch, das findet man heute als Mensch in einer Mietwohnung nur noch selten. Die eigene Behausung ist für uns Nesthocker zur Ware geworden, erfüllt anderen den Zweck der Geldvermehrung, nicht den des schützenden Wohnens eines „Mieters“ in seinem Nest. Viele flüchten sich, wenn sie ökonomisch dazu in der Lage sind, ins „Eigenheim“, werden dabei von den zu zahlenden Grundstücks- und Hauspreisen erschlagen.

Die eigene Zeitlichkeit als Lebewesen wird so geleugnet. In der aktuellen Ökonomie , stellt sie „keinen Wert“ dar, macht also keinen Sinn. Altes gilt als unbrauchbar, muss weg, so wie alte Menschen. „Historisches“ muss vor diesem Unwesen Ökonomie geschützt und bewahrt werden. Die überwertige Idee Ökonomie ist aktuell mächtiger: Menschen verwandeln sich in Minutenwesen. Die Aufmerksamkeitsschwellen sinken, Leben ist immer nur „Jetzt“. Kapitalismus pur.  

Vieles der gebauten Welt wirkt chaotisch, lieblos hingestellt, hingerotzt. Und hat wenig mit Sinnvollem für Menschen- oder Naturleben zu tun. Meist nimmt es auch keine Rücksicht auf die biologische Natur, in der es steht, z.B. auf eine Landschaft oder andere Lebewesen, die dort leben. Logik scheint nur zu sein, durch die Organisation der Behausungen mehr Geld zu verdienen und dazu die Lebensmöglichkeiten von Menschen nach erzielbaren Geldmengen verteilen zu können.

Andere biologischen Lebensformen werden nicht oder nur erzwungen in Ausnahmefällen mitgedacht. Mit viel Glück finden die sich dann in anders nicht nutzbare Restecken. „Restflächen“ entstehen, Biotope sagen wir dann verharmlosend oder „Hobbykeller“. Nistkästen für Vögel sind nur selten an den Mehrfamilien-Häusern der großen Städte angebracht. Spielplätze für Kinder am Haus, z.b. auf der Strasse, gibt es immer weniger. Der Mensch und die Natur haben in solchen Vireteln nichts mehr zu suchen: hier herrscht das Geld. 

Wie stark wir modelliert sind, zeigt eine einem normalen Menschen als irrwitzig erscheinende Idee, die vielen aber als normal gilt und konkretes Handeln strukturiert. Es ist die Idee, dass ein Stück Erde einen Geldwert habe. Die Nachfrage nach dem Boden entscheide über dessen Geldwert und dadurch über seine möglich Nutzung. Seine Nutzung erfolge deshalb sinnvollerweise nach dem vorhandenen Geldbeutel der bezahlenden menschlichen Nutzer. Und (Geld sinnvoll) genutzt werden müsse ja schliesslich alles.

Wie absurd diese Sicht ist, merkt man, wenn man sich die mögliche Nutzer eines Stück Bodens ansieht.

In Berlin sollen für einen Erwachsenen mindestens ca. 10 m² Fläche in einer Wohnung ausreichend sein. Bei einem Kind bis zu sechs Jahren sind es 6 m², bei einem von uns Menschen verzehrten Huhn 0,33 m2. Unter diesen 10 m2 Erde, die ein Erwachsener angeblich braucht, leben bis in der Tiefe von einem Meter ca. 10 000 Milliarden Lebewesen: Bakterien, Archaeae, Pilze, Einzeller, Viren und vieles andere. Nur mal zur Größenordnung: von uns Menschen gibt es auf der Erde nur etwa 8 Milliarden Exemplare, in der Milchstraße findet man 100 Milliarden Sterne, Ziemlich viele Lebewesen leben also unter diesem 10 m2 als Immobilienplatz gedachten Boden.

Unsere überwertige Idee sagt: das Zusammenleben auf diesem Stückchen Land regelt man am besten über den Bodengeldwert oder Immobilienwert.

Ob diese vielen Lebewesen in dem Land zu dieser eindimensionalen (Geld vermittelten) Regelung befragt wurden? Ob sie ihr Zusammenleben über Geld regeln lassen? Gibt es Bakterien-Geld, Geld der Archaeae? Wie bezahlen Viren? Absurd. Die Regelungen dieser „Ökonomie“ haben mit der Biologie des Bodens nichts zu tun, negieren sie einfach.   

Jedes Lebewesen braucht Platz, grenzt sich ab.

Komplexes biologisches Leben organisiert sich meist selbst organisierend als räumliche Abgrenzung biologischer Gleichgewichte. (Menschlich gedacht) freundlich und friedlich sind diese Abgrenzungen selten, allenfalls zwischen Muttertieren und ihrem Nachwuchs. Organismen organisieren sich in räumlichen Abgrenzungen zu anderem Leben, überlappen sich,  z.B. zwischen den Spezies. Ein geordneter in sich stabiler Flickenteppich von räumlichen Lebensmöglichkeiten, das ist biologische Natur, das ist die Ordnung in der Erde.

Und wie machen wir Menschen das gerade? Eindimensional über Geld regeln wir die Dichte der Menschen. Die restliche belebte Natur organisiert die Dichte der Lebewesen komplexer. Nach nur einer einzigen Regel? Kann da nicht funktionieren.

Für uns Menschen ist Zeit getaktet, für unsere Ökonomie besser nicht

Der Algorithmus „Kapitalistische Warenproduktion“ hat auch biologisch geprägte Taktungen von Zeit nicht vorgesehen.

Wir Menschen erfahren Zeit als endlichen, parzellierten Ablauf. Wir sind vielleicht als eines der wenigen Lebewesen uns der Zeit bewusst. Unsere Biologie und jede unserer Zellen lebt als zeitliche Taktungen: Tag–Nacht, Geburt-Kindheit-Erwachsensein-Alter-Tod. Wir ordnen uns Zeit, sind wach, schlafen, vergnügen uns, sind Kinder oder Alte. Wir brauchen auch unsere jeweilige Verortung in der Zeit, lieben Gegenstände oder Lebewesen, die uns an bestimmte Zeiten erinnern. Wir lieben uralte Kirchen, Rathäuser, Schlösser, Märkte auch Bäume. Und verlieren „Altes, Überflüssiges“ immer mehr. Menschen können aber ohne zeitliche Verortung nur schlecht leben. Spätestens als alte Menschen erfahren sie für sie dramatisch was Zeit ist. 

In der überwertigen Idee „Kapitalistische Warenproduktion“ taucht Zeit nur als Äquivalent von Geld auf. Ansonsten gibt es Zeit nicht. Am besten wäre es, wenn es Zeit, so wie Menschen sie verstehen, gar nicht gäbe. Und das versucht diese überwertige Idee (oder Algorithmus) in uns Menschen durchzusetzen. Aus seiner Sicht arbeiten/handeln wir am besten immer, 24 Stunden am Tag, immer, unter seiner Kontrolle und für seine eindimensionalen Zwecke.

Auf diese Inhumanität hatten seinerzeit Marx und Engels hingewiesen, bei der Beschreibung der Auseinandersetzung um einen arbeitsfreien (Sonn)Tag im Elberfelder Frühkapitalismus. Der Hauptwiderstand gegen den damals üblichen Arbeitstag Sonntag kam übrigens von den Religionen, die ihre Macht eingeschränkt sahen, wenn ihre „lieben Menschenkinder“ am Sonntag nicht in die Kirche gehen konnten.  

„Getaktetes“ Zusammenleben macht Ökonomie eindimensional, Natur ist vernachlässigbar 

Es ist wie beim Zauberlehrling von Goethe: wir Menschen haben uns für unsere sozialen Interaktionen diesen eindimensionalen Algorithmus der kapitalistischen Warenproduktion ausgedacht. Aber je länger er wirkt, desto ähnlicher wird unser Leben diesem Algorithmus und desto mehr verselbstständigt sich dieser.

Und immer mehr verlieren wir unser „Menschsein“.

Seine Eindimensionalität bestimmt unser Zusammenleben, formt uns um. Natur mit ihren Rhytmen sind nur Störgrößen. Es gilt nur ein Rhytmus: jetzt ist immer. Kinder darf es so auch nicht geben, Kranke und Alte ohnehin nicht.

Sowas kann natürlich nicht lange gut gehen.

Aktuell erdulden wir vieles, nehmen unseren Arbeitslohn als Schmerzensgeld, leisten uns in Europa eine Christliche Opfer-Büßer-Religion, die dies Leid absichert. Und schaffen uns unsere kleinen anders gearteten Inseln zum netteren Überleben, fast immer in Abwehr gegen den Algorithmus. Dennoch ist dieser in uns selbst so mächtig, daß wir uns selbst als Störgröße unseres eigenen Lebens erleben.

Obwohl mühselig selbst optimiert passen wir auf Dauer einfach nicht in dies Hamsterrad, brennen aus. Wir sind als biologische Wesen für ihn einfach unpassend, die restliche Natur allemal. Also geht auch „Natur“ in uns und außen kaputt. Selbst unser Mikrobiom spielt nicht mehr mit: „zivilisiert“ entspricht es bei Jungen eher dem ausgedünnten von alten Menschen.

Bei uns Menschen ist es der Dauerstress. In der restlichen Natur sind die Folgen Umweltkrisen, das 7. globale Artensterben, die erdweiten Klimaprobleme, die Anreicherung von Chemikalien in uns und der restlichen Natur und vieles andere.

Ob wir Menschen von Natur aus friedlich sind, darüber kann man trefflich streiten. Einige unserer Vorgänger, die Bonobos sind es. Andere, die Schimpansen, sind es eher nicht. Wir waren einige Hundertausende Jahre unseres Lebens als Gattung Mensch primär als soziale Viel-Menschen-Horden überlebensfähig gewesen, also als gesellige Nesthocker. Erst die letzten 10 Tausend Jahre haben wir andere Sozialstrukturen entwickelt, beginnend mit Ackerbau und Eigentumsrechten. Richtig abstrus wurde es seit etwas mehr als 250 Jahren. Bei Nahrungsknappheit waren Menschen wohl noch nie friedlich. Sind Menschen aber gut genährt, helfen sie sich auch heute noch gegenseitig im Leben und vor allen Dingen bei Natur-Unglücken sehr gerne und selbstlos. Menschen können also trotz allem auch heute noch friedlich sein.

Unfriedlichkeit zwischen Menschen entsteht, wenn Ressourcen definitiv knapp sind. Aber auch dann, wenn sie für knapp erklärt werden. Unsere Ökonomie gaukelt uns genau das ständig vor. Sie sagt: „Es ist zu wenig da, weiter, weiter“. Sie hält uns ständig auf Trapp. Immer reicht es ihr das nicht, was schon da ist. Die „Gier nach Profit“ bestimmt sie, sie kann gar nicht anders. Die Konkurrenten auf den anarchischen Märkten jagen sich gegenseitig Angst ein. Wenn der Algorithmus Kapitalismus per se menschliche Eigenschaften hätte, dann wären es „Dauerangst“ und „unstillbare Gier“. Immer mehr, immer weiter, nie in Ruhe, nie sich bescheiden, nie friedlich, nie ohne Angst.

Und sowas Unfriedliches lassen wir als selbstgeschaffenen sozialen Motor in Form einer überwertigen Idee zu. Nicht besonders schlau. Alltag wird dann zum („knappe-Nahrungs)Krieg“ in der Anarchie des Marktes, irgendwann kommt es zu einem Krieg zwischen vielen.    

Der Algorithmus Kapitalismus ähnelt da monotheistischen Religionen. Diese müssen aus ihrer eigenen Konstruktion heraus zur Feindschaft zu allen anderen Religionen aufrufen, die nicht an ihren jeweiligen Gott glauben. „Gier um mehr“ heisst bei einer monotheistischen Religion „mehr an meinen Gott Gläubige“. Die „Kapitalistische Warenproduktion“ hat ihren ökonomischen Imperialismus, die monotheistischen Religionen die „Missionierung anders Gläubiger“. Nur der eigene Glauben gilt. Religionskriege haben lange die Menschheitsgeschichte bestimmt. Koppeln sich monotheistische Religionen dann auch noch an weltliche Macht, wie bei der Idee eines „gottgewollten Königs“, wird der Dauerkrieg Alltag.

Läßt man dann zusätzlich noch Militärsysteme entstehen, bilden sich eigene Gedankengebäude, wie der preußische/britische Militarismus. Und dann wird es für viele ganz gefährlich.

Menschen, die sich auf Grund ihrer Natur eigentlich nicht gegenseitig ohne Grund umbringen, stören jetzt das Wirken des von seinen eigenen Ideen geprägten Militärs. Man entwickelt „militärischen Gehorsam“ und militärische „Größe“. So hofft man die menschliche „Beißhemmung bzw. Todschlaghemmung“ zu entsorgen. Es endet heute in kleinen roten Knöpfen. Drückt sie ein einziger mächtiger Militärmensch, können alle Menschen der Erde mittels Atombomben ausgelöscht werden, vielleicht um der nächsten überwertigen, verrückten Idee willen, z.B. die „Größe Russlands“, „America first“ oder „Tod allen Ungläubigen“.     

Taktloses Sozialsystem Ökonomie ist instabil

Und dabei ist der Menschen erdachte „ökonomische“ Algorithmus nicht einmal zu Ende gedacht. Er ist inperfekt.

Er ist in sich so widersprüchlich, dass er beim Laufen immer wieder nicht richtig funktioniert. Er verhält sich wie ein schlecht geschriebenes Computerprogramm. Ständig braucht er regelnde Hilfe von außen. Diese fordert er und verweigert er gleichzeitig möglichst. Bei uns heisst diese Hilfe „Staat“. Ohne ihn ist der Algorithmus Kapitalistische Warenproduktion nicht lebensfähig. Z.B.: er braucht für sein Funktionieren räumlich möglichst überall geltende Eigentumsrechte. Die kann er nicht selbst garantieren, die kann nur ein Staat flächendeckend regeln. Sicher geltende Eigentumsrechte braucht aber der Kapitalismus als legalisierter Dauerräuber dringend. Und gleichzeitig bekämpft er den Staat so gut er kann und versucht sein Wirken einzuschränken. Schließlich erlebt er den Staat als ständig für ihn „geschäftsschädigend“, als „Räuber“.

Trotz der Hilfen und der Verankerung in den Menschen stürzt diese Ökonomie immer wieder unerwartet ab. Die interne Instabilität dieses taktlosen Sozialsystems erkennt man an seinen regelmäßig aber für viele Beteiligte scheinbar „plötzlich“ auftauchenden (Weltwirtschafts) Krisen.

Ein aktuelles Beispiel: die Motoren dieses erdweit wirkenden Algorithmus, die Geldkreisläufe, haben sich aktuell vom realen Wirtschaftsleben weitgehend abgekoppelt. Das aktuelle Erd-Geldvolumen ist vielfach höher als die Erd-Wirtschaftsleistung. Geld repräsentiert sie also nicht mehr. Jede Ideen-Blase platzt irgendwann. Dann kann die Austauschfunktion von Geld verloren gehen. Geld wird wertlos. Wir stehen aktuell weltweit vor so einer Krise.

Es geht dem Gehirn-Produkt kapitalistische Warenproduktion wahrscheinlich absehbar so, wie es Religionen öfter erging. Ihre Gedankengebäude koppelten sich zu weit vom realen Leben der Menschen und der Natur ab und sie verloren ihre praktische Deutungs- und Regelungsfunktion für Menschen. Man glaubte nicht mehr an sie. Viele Religionen sind bislang untergegangen. Die kapitalistische Warenproduktion wird nicht die letzte Organisationsform von menschlichem Zusammenleben sein.

Ungetaktete Musik

Wie weit fortgeschritten der Verlust von (natürlichen) Taktungen bei uns Menschen ist, kann man vielleicht, – ein bisschen sehr schematisch und hölzern gedacht,-  auch in der Musik Europas erkennen, die Menschen machen oder mögen.

Bach schuf eine (Gott lobende) hoch geordnete, endliche und nach festen Regeln geschriebene Musik. Er lebte in einer (Gott geordneten) Welt, in der die anarchische Gewalt des Kapitalismus noch nicht allgegenwärtig war.

Mit dem Erstarken des Kapitalismus wurde aus der hochgeordneten aber spielerischen Musik eines Bachs das Gedonner und die Brechung damaliger musikalischer Regeln eines Beethoven. Bei erhofftem oder erkennbaren Erfolg des Kapitalismus wurde Musik zum regelmäßigen wie Wellen anlandenden Walzerreigen eines Strauß. Strukturierte menschenferne Atonalität eines Schönberg deuten vielleicht schon die erlebte Entfremdung der bedrohenden Ökonomie an, hat aber noch Zeitstrukturen. Aktuelle Musik kennt oft weder Töne noch differenzierte Ordnungen, man hat es mehr mit Geräuschen zu tun. Alles schwingt irgendwie ohne Rand und Ordnung, anarchisch halt.

Und: die lange für viele als gleichmäßige Taktgeber so wichtigen Kirchen- und Bahnhofsuhren verschwinden allmählich. Sie werden ersetzt durch das chaotische und flackerhafte Piepsen der Smartphones.

 

PDF Dieter Kaufmann Taktlosigkeit   Dieter Kaufmann Taktlessness and economy  englisch

 

Demokratie beim Arbeiten

Eigentlich wäre es ganz einfach:

wenn man arbeitet (oder schafft, wie viele sagen) ist es genau so wie zu Hause, z.B. in einer Familie: bei dem, was man macht, reden alle mit, gleichberechtigt, helfen alle mit, und sind alle an allem beteiligt.

So funktioniert „Arbeiten“ und „Entscheiden“ und „Beteiligen“ heute meistens in einer Familie, bei Freundschaften und engen Beziehungen. Leben lassen und Gleichberechtigung sind da normal, meistens. Jede(r) hat eine andere Rolle. Jede(r) hat auch eine andere Funktion. Alle einigen sich (irgendwie) und sehen zu, dass es dabei allen gut geht und es einigermassen gerecht zu geht. So weit, so hier heute normal, so meist gut, und irgendwann klappt es ja auch, fast immer.

Eigentlich eine schlichte kleine Demokratie im Kleinen. Und dabei  sicher nicht immer mit „Frieden-Freundschaft-Eierkuchen“. Aber letztlich funktioniert es untereinander gut. Sicher, es gibt Ausnahmen, z.B. wenn irgendwer meint besser zu sein als die anderen, glaubt mehr zu sagen zu haben als andere, wünscht immer übervorteilt zu werden und wertvoller zu sein oder ähnliches. Dann kann es eine zeitlang schwierig werden, meist allerdings nicht auf Dauer. 

Beim normalen „Arbeiten“ ist für die meisten Menschen alles ganz anders.

Die in der Familie und unter Freundschaften normalen (menschlichen und einigermassen gleichberechtigten) Beziehungen (mit allen Höhen und Tiefen) sind da eher die Ausnahme.

Im schlimmsten Fall ist man bezahlter („freiwilliger“) Sklave, der nur darauf wartet, nicht mehr arbeiten zu müssen und wieder weg zu können. Eigentlich sitzt man dann seine bezahlte Lebenszeit nur ab. Was man in der Zeit des Arbeitens macht ist einem eigentlich egal. Oft interessiert es einen allenfalls am Rande. Hauptsache man wird dafür sehr gut bezahlt. Wie man es macht, ist eigentlich auch egal.  Mit wem man zusammen schafft bestimmt man nicht selbst. Also ist es auch egal. Insgesamt lebt man in einem entfremdeten Leben.

Es ist ein Leben im Egal und auf Abruf.

Man liefert sich an der Arbeitsstelle ab, sieht zu, dass man nur das Nötigste tut, um danach in irgendein Reich der Freiheit zu verschwinden. Arbeiten ist für die meisten nicht Freiheit. Zeit der Selbstbestimmung meist auch nicht. Und ein Ort des Glücks nur ganz selten. So sehen dann auch viele Arbeitsplätze aus: alles wirkt wie willkürlich abgestellt, lieblos oder zweckdienlich dekoriert. Schön ist es woanders. Und Menschen gehen so miteinander um, als seien sie Marionetten an unsichtbaren Fäden.

Muss da so sein? Nein, natürlich nicht.

Wenn beim Arbeiten die gleichen Regeln gelten würden wie zu Hause, wären alle glücklicher: jeder bestimmt mit, jeder hat eine Stimme, die Mehrheit entscheidet, wo es lang geht, Minderheitenrechte werden nur gut begründet umgesetzt und grobe Ungerechtigkeiten nicht geduldet.

Demokratie auch beim Arbeiten, echte Demokratie, so könnte es gehen.

Und alle hätten wieder Spass beim Arbeiten. Es wäre keine verlorene Zeit. Es würde weniger Mist gemacht, weil man ja mitverantwortlich ist. Und alle hätten vielleicht das Gefühl, sie sind wichtig und etwas wert, was nicht Geld ist, weil sie ja bei allem mitbestimmen.

Eigentlich ganz einfach, gäbe es da nicht diese in hiesigen Breiten aktuell geltenden eigentümlichen Eigentumsrechte.

Wenn man arbeitet, ist man zeitweiliger Besitz dessen, der einen kauft, das heisst bezahlt. Und der läßt einen an etwas arbeiten, was nur ihm gehört, als Eigentümer. Und er bestimmt was und wie gearbeitet wird. Und das was gearbeitet wird, wird verkauft. Und der Erlös wird nicht gleichmäßig und gerecht auf alle Beteiligte aufgeteilt. Man bekommt als „eingekaufter Sklave“ irgendeinen kleineren Anteil als Lohn, je nachdem, wie laut man sich beschwert hat.   

Also, eigentümliche (un)menschliche Verhältnisse beim Arbeiten.

Und die Menschen in der aktuellen Ökonomie, der des automatisierten Kapitalismus, sollen das für sich für normal halten. Schaffen sie oft auch, aber eigentlich nie ohne Beschädigungen. Richtig glücklich ist da keiner. Auch die Besitzer von den Arbeitspläztzen nicht. Sie müssen andere, wie sie finden, als viel zu teuer „bezahlte Sklaven“ auf dem Arbeitsmarkt einkaufen. Und nicht wissen, ob nicht irgendein Konkurrent irgendwo auf der Erde billiger produziert als er selbst.

Überall herrscht Unzufriedenheit und gelegtlich regelrechte Angst. Menschen gehen selten so fröhlich zur Arbeit, wie kleine Kinder in den Unterricht in ihrer 1. Klasse.

Angst fördert angeblich die Leistungsfähigkeit und deshalb sei sie gut, sagen einige, die glauben, Hass, Neid und Bösartigkeit der Menschen könne man nicht aus der Welt schaffen. Mag stimmen, aber Stress hilft nur kurz. Dauerstress erzeugt privates, körperliches und gesellschaftliches Ungemach.

Oft kennt man sich beim Arbeiten untereinander gar nicht richtig. Es wird oft viel dafür getan, dass man sich fremd bleibt oder sich gegenseitig als Konkurrenten sieht. Man kann auch beim Arbeiten vereinsamen.

Und so bleiben fast allen nur kleine Sehnsuchten nach einem ganz anderen menschlichen Leben. Und das soll nach der Arbeit, irgendwo meist fernab oft unerreichbar stattfinden. Man freut sich am Montag auf das kommende Wochenende. Oder man legt sich irgendeine alltägliche Sucht zu, mit der man sich in ein schöneres Leben beamt. Alkoholismus z.B. ist eine Volksseuche.

Hätte man solche eigentümliche menschliche Verhältnisse in Familien oder unter Freuden wie beim Arbeiten, würde man sagen, das ist doch nicht normal, die spinnen doch. Das hält doch kein Mensch länger aus. Die Familien oder Beziehungen man es doch auseinander reissen. Sowas ist doch krank. Und würde nicht verstehen, warum fast jeder in den hiesigen Breiten immer wieder unter diesen Lebensbedingungen 8 von 24 Stunden am Tag vor sich hinlebt. Leben ist doch leider endlich, das kann man doch nicht so glücklos (entfremdet) vertrödeln.

Das merken die meisten erst, wenn sie ganz alt sind. Und jammern dann über ihr verlorenes Leben.     

Und dabei ginge es doch so einfach für alle viel unkomplizierter und schöner. Nämlich dann, wenn immer alle bei allem mitbestimmen könnten, also sie selbst bleiben. Und demokratisch entschieden wird, wie es mit allen weiter geht. Und so würde viel weniger Mist gemacht, alles wäre einfacher und menschlicher. Und die Erde hätte viele Probleme weniger.

Es ist eigentlich nicht einzusehen, dass Demokratie beim Arbeiten ein Fremdwort bleiben soll, wenn Arbeiten etwa 1/3 des Lebens ausmacht. Eine Demokratie mit ademokratischen Sektoren, bei der Beschäftigung, ist halt keine.

Werbe-Fuzzis asoziales Zirkulations-Geblubber

Viel von der ohnehin knappen menschlichen Intelligenz und Innovationskraft wird gerade meistbietend für die Herstellung von gesellschaftlich Gefährlichem und Unsinnigem verschleudert. Nein, ich meine nicht nur für die Entwicklung von Waffen.  

Nein, es geht um die Tätigkeiten und Produkte der „Werbetreibenden“, der Werbe-Fuzzis, in ihren ach so bunten Zirkulationsblasen.

Von diesen Ver-FÜHRERn soll die Rede sein, ihrem Umfeld und ihren Nachplapperen. Warum? Sie arbeiten gegen den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und gegen das Funktionieren der ohnehin schon schwachen Demokratie.

Überall müllen ihre Werbe-Produkte den hiesigen Alltag zu. Aufdringlich allgegenwärtig, in allen Medien, gerade in den angeblich „sozialen“ Medien, im öffentlichen Raum. Man soll ihnen nicht entgehen können. Und das schaffen diese Ver-FÜHRER im Auftrag ihrer Graue-Herren-Geldgeber.

Was soll dieser ganze Werbe-Müll?

Ziel unseres Wirtschaftssystems ist es möglichst alle Lebensgüter in verkaufbare Waren zu verwandeln. Deren Zirkulation, ihr Absatz, soll maximal erhöht werden, egal, ob die Güter gebraucht werden oder nicht. Und lange halten sollen sie auch nicht. Am besten sollte ihr Kauf wie ein Rausch wirken. Also machen es sich diese Werbe-Fuzzis zur Lebensaufgabe möglichst raffiniert mit Werbe-Hirnwäsche bei Menschen starke Bedürfnisse nach diesen Waren zu schaffen. Ihr Leben soll nicht realistisch sein, es muss rauschhaft mit Konsum von Waren gleich gesetzt werden können. Dazu müssen diese Waren idealisiert werden und ihr Kauf zum eigentlichen Lebensinhalt der Menschen gemacht werden.

Normale Wünsche von Menschen sollen zu Kaufwünschen nach Waren werden. Dazu müssen diese Werbe-Fuzzis intelligent lügen können, was das Zeug hält. Wörter müssen unbemerkt neu mit Unsinn besetzt werden („LEBEN IST FANTA“, „NICHTS GEHT ÜBER BÄRENMARKE“), ihre Bedeutung verschoben werden in einen bunten Warenwelt-Traum. Lebens-Träume müssen zu Waren-Träumen werden. Ein Leben ohne Warenkonsum soll nicht mehr vorstellbar sein. Am besten fängt man damit schon von Kindesbeinen an („HARIBO MACHT KINDER FROH“). Lebenssinn ohne den Konsum von glitzernden Waren? Das soll völlig undenkbar sein.

Das ist gar nicht so einfach für die Werbe-Fuzzis. Ihre Sprache muss raffiniert lügen, nicht informieren. Schlaue, gut wirksame Desinformation sich auszudenken ist intellektuell fordernd. Und so schaffen sie für andere eine Allgegenwart aus Waren-Propaganda, Lebens-Waren-Träumen, verlogenen Bilderwelten und gezielten Desinformationen. Neues soll nur noch als zu bezahlende Warenwelt denkbar sein.

Aber warum schaffen diese ja nicht dummen Werbefuzzi-Menschen diese gezielte, intelligente und ausgefuchste inhumane Hirnwäsche, die nicht einmal vor Kindern haltmacht?

Es geht auch ihnen einerseits um Geld, mehr Geld, immer mehr Geld. „Ohne gezielte Expansion der Warenberge keine funktionierende Wirtschaft“, so plappern sie zu ihrer Beruhigung den Unsinn ihrer Grauen-Herren-Geld-Auftraggeber nach. Und um Innovation: die Werbenden sehen sich als die wirklich Innovativen, als die Guten, die eine Wirtschaft in Schwung halten und dafür natürlich selber große Geldberge erhalten. Die Wirtschaft sei doch identisch mit der Gesellschaft, so plappern sie die eindimensionalen Kapitalistische-Betriebswirtschaft-Lügen ihrer Bezahler nach. Vor ihnen hätten doch Religionen und Ideologien auch nichts anderes gemacht. Im Gegensatz zu ihnen seien sie doch neutral, fortschrittlich, innovativ. Und dann geht’s um Macht: sie fühlen sich als die guten Herrscher über die Gehirne und Gefühle vieler. Dummerweise hat sich in ihrem eigenen Gehirn an der Stelle eines Gewissens nur noch ein Berg mit Geldscheinen gebildet.

Die von ihnen geschaffenen überdrehten unrealistischen bunten Bildwelten modellieren und entsorgen Selbstbilder der normalen Menschen, die einfach nur leben wollen. Sie bringen sie in Erwartungswelten, die unrealistisch sind.

Es ist ähnlich wie bei der Verzuckerung durch die meisten industriell hergestellten Lebensmittel: man fällt als Depp auf die leckere Süße rein, bei Entzug wird man unruhig und wütend, weil schon abhängig. Und irgendwann ist man fett und bekommt einen Diabetes. Normale Selbstbilder, die kleinen Hoffnungen, ordentliche gesellschaftliche Träume werden nach täglichem Werbekonsum völlig unrealistisch. Man ist zum Zucker-ICH-Junkie geworden und in der normalen Realität ständig auf Entzug. Also meckert man rum, ist unzufrieden. Man muss ja ständig unterhalb seiner (unrealistischen) Werbeträume leben, ist getrieben. Das ist asozial und für ein realistisches Zusammenleben von Menschen hoch gefährlich.

Redet man einem Mann/Frau ständig per Werbung ein, es gäbe nur die Werbetraum-Frauen/Männer, wird man sich nie mit einer normalen Frau/Mann zufrieden geben, sie lieben können. Man wird gegenseitig in Werbesprüchen reden, aber nicht in normaler Sprache. Und wird die Welt der Lügen der Werbung für normal halten, und so seine Kommunikationsfähigkeiten mit anderen Menschen verlieren und Beziehungen beenden.

Die Werbe-Fuzzis und ihre sich intelligent und innovativ denkenden Nachplapperer zum Beispiel in der Modebranche spielen wie asozial gemachte Kinder mit der ihnen möglichen Wort- und Bildgewalten. Sie geben sich viel Mühe, die Lügen und die Hochglanzbilderwelten möglichst effektiv zu erfinden. Als Ausgleich lassen sie sich den Verkauf ihres Gewissens und ihrer Moral teuer bezahlen. Ihr privater Reichtum ist ihnen wichtiger als der gesellschaftliche Schaden vieler.

Irgendwann leben die Werbe-Fuzzis selber in den von ihnen geschaffenen Warenbilder-Welten. Ihre Ehen gehen kaputt, ihre Kinder haben es schwer. Sie zelebrieren hochmütig Asoziales: „Kann ich doch nichts dafür, wenn die Leute so dumm sind. Hauptsache die Knete stimmt. Ist mir doch egal. Hauptsache mir geht’s gut.“ Ihr so entsorgtes Gehirn schadet letztlich sogar ihnen selbst und ihren Angehörigen. Werbe-Fuzzis verschleudern Menschen-Intelligenz und Wachheit, um möglichst viele Menschen mit Lügen und schönen Bildern auf eine allgegenwärtig gemachte Warenwelt zurecht zu stutzen.

Asozial ist das, nicht mehr und nicht weniger. Bewusste, gezielte und vorsätzliche Asozialität sollte in einer Demokratie eigentlich bestraft werden, für mich am besten mit einer Gefängnisstrafe. Das ist überfällig. Die Gefängnisse wären dann voll mit diesen Werbe-Fuzzis, ihren Nachbetern und Auftraggebern.

Richtig dumm ist, dass diese für viele Schweigegeld gekauften Schreiberlinge/innen auch noch stolz auf ihre intelligenten Einfälle, auf ihre schlauen Lügen sind, die Bild- und Filmproduzenten auf ihre so innovativen Bilder. Sie schaffen, genießen die von ihnen geschaffenen Scheinwelten, zelebrieren sich in ihnen als die großen Innovativen, halten ihr Rumgeblubbere in diesen Abziehbild-Welten für Denken und betrügen ihre eigene Intelligenz, mit immer neuen Lügen.

So sorgen sie dafür, dass aus Fortschritt Fortschrott wird, aus Wörtern und Sätzen Unwörter und Lügengebilde, aus Bildern Plakatwände und Werbespots, aus Frauen geschminkte Abziehbilder, aus Männern Edelmonster, aus Bierflaschen Gebirge. Träumeklauer, Märchenräuber, Wortverfälscher, Kinderverführer, das sind sie.

Ihre Arbeit gefährdet auch die Grundlagen der Demokratie. Die braucht für ihr Funktionieren einen Austausch der Menschen über eine verlässliche ehrliche Sprache. Asoziale Volksverdummer würden manche vielleicht zu dieser Werbe-Fuzzi-Blase mit ihren umherschwirrenden jubilierenden Edel-Engeln sagen. Stimme ihnen ausnahmsweise mal zu.

Zivilisatorische Trumms und Hungerhaken

In hiesigen Breiten verwandelt die Zivilisation ältere Menschen in große unförmige Fleischbrocken.

Je älter sie werden, desto unförmiger werden ihre Körperformen. Sie gehen aus dem Leim. Was als Kind Natur und Zivilisation zu einem intakten funktionsfähigen Körper zusammen schustern, verliert seine Form.

Angekommen in der Welt der Erwachsenen oder gar in der Ehe machen die Menschen sich breit im Jetzt. Sie füllen einen Leerraum aus, körperlich. Je ländlicher sie sich nieder lassen, desto mehr Platz im Raum beanspruchen sie. Das Übergewicht der Älteren ist ihr Ausweis für das Angelangt-sein im Jetzt. Man bewegt sich weniger, körperlich und ernährt sich übermäßig.

So entstehen die bayrischen Stiernacken, die Odenwälder Schiebebäuche, die Pfälzer Riesenbrüste, die türkisch griechischen Stampferbeine, die Berliner Riesenärsche. Alle bewegen sich eher langsam, sie sind ja angekommen, im Leben. Füllen mit allem, was sie haben, den Raum, er gehört ihnen, so ist das neue Normalo.

Man braucht Platz im Jetzt. Ein wenig wie die Schweine, die auf Schlachtreife gefüttert werden, von für diese Tiere heimtückischen Menschen. Auf Normalos wartet kein Metzger. Diabetes, kaputte Knie, Luftnot, die Kalkschulter, das steht vor ihnen. Dazwischen viel Zeitvertreib auf der Couch, in Ruhe. Irgendwann folgt das „man wird doch wohl mal“ und das Stehen im Stau.

Ihr Gegenteil, die zivilisatorischen Hungerhaken, expandieren derweil ins Schrille.

Sie besetzen den Raum nicht durch ihr Volumen, sie setzen auf weiter reichendes: Nervstimmen, schrille Farben ihrer Kleidung und ihres Körpers, Duftmarken, gelegentlich Accessoires wie Hunde, Kleinkinder, Sonnenbrillen, Lockenschöpfe, limitierte Hauteinblicke. Sie bewegen sich raumdefinierend. Mimikry ist ihr Lebens-Geschäftsmodell. Eingehüllt in bunte, schön geschnittene Tücher spielen sie Theaterwelten. Sie lügen gerne, immer. Sie verstecken sich am liebsten in ihrer Exaltiertheit. Einfache Nacktheit zerstört ihr Zivilisations-Geschäftsmodell. Sie fürchten sie. Ihr Altern zerstört alle glatten und bemalten Fassaden, die sie so mühsam aufgebaut und bewahrt haben.

Tiere sehen letzterem eigentümlichen Treiben möglicherweise irritiert zu.  Was soll an einem teilenthüllten Bein einer Menschin interessant sein, fragt sich die Spinne mit ihren 8 behaarten Bein im Theatervorhang. Und die menschliche Verhüllung von Geschlechtsteilen verstehen Hunde gar nicht.

Aktuelle Zivilisation der Menschen treibt in hiesigen Breiten lustige Unterhaltungs-Blüten. Und wir alle sind dabei. Und demnächst zu dem Dauer-Geschimpfe, das nur Dauermasochismus ist.

 

Ein Trio als Machtzentrale: Mann – Frau – Kind, warum eigentlich nicht?

Ein Trio als Machtzentrale: Mann – Frau – Kind, warum eigentlich nicht?

Ein Trio als überregionales Machtzentrum, Mann – Frau – Kind?

Das hat es für Menschen historisch vielleicht noch nie gegeben. Aber warum sollte unsere so hoch entwickelten Zivilisation es nicht mal probieren? Es hätte wahrscheinlich deutlich mehr Vorteile als Nachteile.

Menschen brauchen für ihr friedliches, gerechtes und einigermaßen vernünftiges Zusammenleben wohl eine zentrale Macht. Lange haben sie sich für diese Kontroll-Aufgabe Götter mit außerirdischer Macht ausgedacht. Und fast alle haben vor denen gekuscht. Das funktioniert heute aus vielen Gründen nur noch bei wenigen Menschen. Also brauchen die so unterschiedlichen Menschen ein demokratisch gewähltes gutes und gerechtes Machtzentrum, z.B. an der Spitze eines Landes wie Deutschland.

Warum nicht einer sondern drei? Was ist der Vorteil eines Trios aus Kanzler – Kanzlerin – Kanzlerkind?

Macht einzelner kann für alle gefährlich werden. Das lehrt uns leider die Geschichte. An einzelne Menschen demokratisch verliehene und kontrollierte große Macht kann im Missbrauch enden. Um das zu verhindern, so denken vielen, müssten die demokratisch Gewählten eine Menschen freundliche Moral haben, sie müssten unbestechlich und standhaft sein. Und wählen den Menschen mit dem ehrlichsten Gesicht und dem glaubwürdigsten Auftreten. Sie hoffen, die für eine begrenzte Zeit übertragene Macht würde ihn nicht korrumpieren.

Dennoch, einmal an der Spitze können bei so mächtig gemachten Menschen ihre vielleicht verborgenen schlechten Eigenschaften zu Tage treten und sie asozial werden lassen. Bei Säugetieren hat Macht zu haben biologische Folgen. Große Macht zu haben kann auch bei uns Menschen als Herdentiere unsere Biologie verändern. Es kann so weit gehen, daß solche mächtig gemachten Menschen nur noch ihre Eigeninteressen verfolgen und als Diktatoren für ein Gemeinwesen gefährlich werden. Viele zuerst Gutwillige endeten als Diktatoren. Der Schriftsteller Orwell hat dies in seiner Fabel „Animal Farm“ von 1945 für Tiere drastisch beschrieben. Dabei scheint das Geschlecht der gewählten Mächtigen keine wesentliche Rolle zu spielen.

Also, einer oder eine an der Spitze der Macht, das ist keine gute Idee.

Wie wäre es mit einem Duo? Vielleicht gleichberechtigt ein Mann und eine Frau?

Männer und Frauen unterscheiden sich biologisch heftig. Eigentlich ist es fast ein Wunder, wie gut sie zusammen als Paare und Familien funktionieren, oft allerdings nicht gleichberechtigt. Männer und Frauen erleben ihre Welt unterschiedlich. Sie handeln auch verschieden. Beide Sicht- und Handlungsweisen haben Vor- und Nachteile. Am besten und friedlichsten für alle geht es gleichberechtigt zusammen.  

Ein Duo als Machtzentrum hat den Nachteil, dass die beiden sich immer einig sein müssen. Das kann gelingen, muss aber nicht. Man kennt es aus Ehen. Sie können sich auch gegenseitig lähmen. Ein Duo? Das kann schwierig werden.

Also ein Trio mit Mehrheitsentscheidungen?

Bei dreien an der Macht gibt es immer eine Mehrheit. Man ist also immer handlungsfähig. Also eine gute Idee. Aber wer soll der dritte Mensch sein?

Am besten ein Kind. Erwachsene denken oft nur an Heute, nicht aber an Morgen. Kinder denken an ihre Zukunft, sind näher an der der Natur. Also brauchen sie in einem Gemeinwesen Machtrepräsentanz. Stellvertretende Repräsentanz durch Erwachsene geht schief. Das sieht man an all den menschengemachten langfristig auftreten Schädigungen des Lebens auf der Erde mehr als deutlich. Erwachsene werden sie nicht erleben, die heutigen Kinder sehr wohl. Der Versuch, das sichere Leben auf der Erde für alle zu retten ging von Fridays for future und von Kindern aus.

Ein Kind an der Macht?

Am besten ein 16. jähriger Mensch, für ein Jahr gewählt, im Wechsel ein Mädchen und ein Junge. Kinder sind streitende Erwachsene gewohnt. Und können sich notfalls durchsetzen. Jetzt sind sie bei über Mehrheiten zu treffenden Entscheidungen das Zünglein an der Waage.

Also, ein Trio, ein Mann und eine Frau, jeweils für 4 Jahre gewählt, ein 16. Jähriges Kind, jeweils für ein Jahr gewählt, in jährlichen Wechsel ein Junge und ein Mädchen.

Und schon wären alle repräsentiert. Das Machtzentrum wäre immer handlungsfähig, und vor Machtmissbrauch geschützt. Also, warum nicht so?

Alle Gewählten an die Macht

Alle Gewählten an die Macht

 Immer mehr Menschen denken, in unseren demokratischen Machtstrukturen, in den Parlamenten, Gemeinderäten u.a., wird viel zu viel unproduktiv und unsinnigerweise gestritten und zu wenig konkret gehandelt.

Ohne Reden geht’s aber in der Demokratie nicht. Demokratie heisst ja, jeder Gewählte kommt zu Wort, kann frei seine Meinung sagen, die Mehrheit entscheidet. Basta.

Warum gibt es in unseren demokratische Machtstrukturen so viel Geschimpfe, so viel Unsachliches, soviel Gockeltum?

Ein wesentlicher Grund ist, dass in den Parlamenten und den Regierungen jeweils die Hälfte der Gewählten an der Macht beteiligt ist, die andere Hälfte nicht. Die Macht repräsentiert also immer nur die Hälfte der Bevölkerung, die einen sind die Sieger, die anderen die Verlierer. Also sind die Verlierer sauer, dass sie trotz der vielen Menschen, die für die gestimmt haben, nichts zu sagen haben. Das schafft notwendigerweise böses Blut, Hochmut und Gehässigkeit.

Notwendige Kompromisse gelten als Niederlagen. Vertreter von Parteien streiten dort oft nicht darüber, was eine adäquate Lösung für ein Problem wäre. Nein, sie benutzen die Parlamente als Bühne zur Selbstdarstellung. So hoffen sie bei der nächsten Wahl mehr Stimmen zu gewinnen, um sich solche demokratischen Diskussionen sparen zu können. Und schon ist man als Institution gelähmt und kommt nicht voran.

Muss das so sein? Nein. Wie kann man das ändern?

Ganz einfach: mit Allparteienregierungen.

Wer gewählt wird bekommt auch Macht, als Partei oder als Einzelperson. Und zwar anteilig zu den Stimmen, die man bekommen hat.

Gabs das schon mal?

Öfter. In Kriegszeiten sind in einigen Ländern Allparteienregierungen entstanden.

Alle an der Macht beteiligen?

Möglichst alle, das ist in der Konkordanzdemokratie der Schweiz normal. Möglichst alle politischen Kräfte sollen an der Macht beteiligt sein, also möglichst grosse Mehrheiten bilden und Minderheiten integrieren. Ständige Suche nach Kompromissen, das ist dort Parlaments-Politik.

Schwierig wird es bei denen, die die Demokratie bekämpfen. Auch mit denen sucht man in der Schweiz nach Gemeinsamkeiten. Man beteiligt sie aber nicht am siebenköpfigen Bundesrat, der Schweizer Regierung. Der ist seit 1959 nach der Zauberformel zusammengesetzt: die drei Parteien mit der grössten Parteistärke erhalten jeweils zwei, die mit der viertgrössten einen Sitz (2:2:2:1).

Möglichst alle sollten vertreten sein. So lernt man mit Unterschieden umzugehen und Mehrheiten zu akzeptieren. Parlamente können dann zu einem Ort werden, an dem man lernt wirkliche für alle gangbare und sinnvolle Kompromisse zu machen.

Also Schluss mit dem ENTWEDER – ODER.

Leben funktioniert nicht schwarz-weiss. Das weiß jedes kleine Kind und sucht nach Kompromissen.

Wenn (fast) alle an der Macht beteiligt sind, kann die Bevölkerung sagen, ja, wählen macht Sinn, im Parlament bin auch ich vertreten. Demokratieverdruss wäre vorbei.  

Geht bei uns nicht? Von wegen.

Ein erster Schritt wurde z.B. vor 55 Jahren in der kleinen Gemeinde Ober-Hilbersheim in Rheinland-Pfalz gemacht. Für die Wahl des Gemeinderates wird eine Einheitsliste aufgestellt. Man wählt nicht mehr Parteien, sondern Personen. Das Ziel: kein unnötiger (Parteien) Streit mehr im 1000 Menschen Dorf. Zusammenarbeit statt Lagerdenken. Angeblich funktioniert das und hat sich rumgesprochen. Bei der Kommunalwahl 2019 stand bei mehr als 300 Gemeinden in Rheinland-Pfalz nur eine einzige Liste auf dem Wahlzettel.

Also, möglichst Allparteienregierungen. Bei uns hieße das auf Bundesebene in Berlin aktuell (ein wenig modifiziert): eine 9 köpfige Regierung mit folgenden Ministern: 2 CDU, 2 AfD, 2 SPD, 2 Grüne, 1 FDP. Und alle müssten sich einigen. Das wäre doch was, oder?

 

Leben ist kein Geschäftsmodell

Es ist trivial, aber man muss es leider sagen:

Leben als ein Geschäftsmodell zu sehen ist dumm, töricht und gefährlich.

Kein Kind versteht eine solche Sicht, Tiere und Pflanzen eh nicht. Und doch hängen in unseren Breiten sehr viele Menschen an dieser Idee. Sie halten sie sogar für clever. Und lassen sich von Reicheren oder von Geldmacht-Propaganda genannt Werbung einlullen, bis nichts mehr in ihrem Hirn ist.

Man erzähle mal dem Mond, dass er dringend Aktien kaufen muss, da mit er in seinem Alter gesichert ist. Oder einem Baby, das noch gesäugt wird, dass natürlich alles seinen Preis habe und ohne Geld es gar nichts gebe, auch keine Muttermilch. Oder einem sehr Alten, das Sterben natürlich auch seinen Preis hat. Ohne den zu bezahlen, gehe nichts.

Menschen, die in Geschäftsmodellen als Leben denken, leben nicht. Sie sind zu eindimensionalen Zahlenmonstern verkommen. Momo nannten sie die grauen Herren. Zahlen, das ist ihre Welt, davon ernähren sie sich. Gehts noch, fällt einem dazu nur ein.

Aber diese Dummbeutel haben weltweit die Macht.

Ihr Lebenssinn sind Zahlen, auf Papieren, Eintrittsscheine zur Macht, so denken sie. Halten alles für käuflich. Und bekommen nicht mal ihre eigene Liebe hin. Ihre Kinder haben ein schweres Leben.   

Und verstehen Natur nicht. Sie sind angesichts von z.B. Klimakatastrophen einfach nur hilflos, bei ihrem eigenen Ableben ebenfalls.

Warum in aller Welt fallen so viele Menschen auf solche Dummbeutel rein?

Man wird es irgendwann mal nicht mehr verstehen, so wie man heute nicht mehr verstehen kann, dass Menschen ernsthaft an die Existenz von Hexen glaubten und Könige für Überirdische hielten.

Jede Zeit hat ihre eigene Dummheit.

Menschen beherrschende Zahlen, die immer größer werden wollen, das ist unsere heutige. Und nachfolgende Generationen werden fragen: Wie konntet ihr eigentlich so dumm sein, so einen Schwachsinn glauben und euch von dem leiten lassen? Das war doch offensichtlich, wie dumm und töricht das ist.

Nur zusammen gehts

Die Menschen-Erde demokratisch selbstbestimmt aufräumen

Ein überfälliges Pamphlet

Wie der Mensch ist das gesamte Leben auf der Erde ein instabiles chemisches und biologisches Gleichgewicht. In dieses haben wir Menschen über Jahrtausende eingegriffen. Aktuelle Folgen des Zivilisationsprozess sind globaler Klimawandel, Artensterben und Anreicherung von Chemikalien im Körper. Die Biologie der Erde galt als lange robust. Nun verändert sie sich auch zu unserem Nachteil mit unkalkulierbaren Folgen. Menschen organisieren sich in ökonomischer Ungleichheit, holpriger Selbstbestimmung und mit wachsender Gefahr der Selbstzerstörung durch Atomkriege.

Wesentliche Ursachen der menschengemachten Probleme sind neben Unverständnis und Dummheit, daß Menschen weltweit ihre Lebensbedingungen zu wenig direkt regeln können. Politik funktioniert unzureichend, Ökonomie ist ademokratisch organisiert.  Wirtschafts-Entscheidungen werden in fast allen Ländern über einen menschengemachten Algorithmus geregelt, den automatisierten Kapitalismus. Dieser kennt als Ziel nur Zeit zu sparen, bzw. aus Geld immer mehr Geld zu machen. Auf wessen Kosten das geht, z.B. der Natur, ist egal. Und so entstehen die meisten der aktuellen Probleme.  Eindimensional agierend erweist sich diese Ökonomie als unfähig, die von ihr erdweit mitgeschaffenen Probleme hinreichend zu lösen. Sie verwandelt Menschen in Menschenmonster, demoliert Denken und expandiert viral wie eine Religion in alle Lebensbereiche. Schwäche von Politik wird ausgenutzt, wenige werden sehr reich, fast alle ökonomisch verunsichert. Sie braucht masochistisches Schweigen ihrer Opfer. Globalisierungsbedingungen werden erpresst. Ihre produktive Zeit ist vorbei. Die verursachten Schäden sind zu groß geworden. Es ist Zeit ist für ein Leben mit statt gegen die Natur.

Menschen sind global vernetzt. Erdenweit könnten alle gemeinsam per Internet darüber abstimmen und entscheiden, wie man die Schäden beseitigen kann. Aktuell kann jeder Einzelne defensiv Erdschädliches meiden. Regionale Politik kann Erdschädliches verbieten, den (Erd) Notstand erklären. Man kann ein Grundrecht auf Arbeitsverweigerung bei Erdschädlichem schaffen, der UNO mehr Macht geben. Das wird nicht reichen.

Am besten fängt man vor Ort da an, wo die Schäden entstehen, beim alltäglichen Handeln und Arbeiten. Stück für Stück sollte man den inhumanen eindimensionalen Bestimmer-Algorithmus durch demokratischen Menschenwillen ersetzen. Da, wo Menschen gemeinsam arbeiten, entscheiden sie direkt über alles: 1 Person – 1 Stimme, Mehrheit entscheidet. Die Besitzer von Arbeitsplätzen haben auch eine Stimme. Anstatt immer nur mehr Geld machen zu müssen, können dann Menschen- und Naturfreundliche Ziele tägliches Handeln bestimmen. Die Entscheidungen können direkt, schnell, nachhaltig und wirksam getroffen werden. So werden unsinnige und erdgefährliche Tätigkeiten unwahrscheinlicher, ebenso wie drastische ökonomische Ungleichheiten. Offenheit gegenüber Neuem und eine gute Fehlerkultur sind dabei wesentlich. Überall geförderter Erfindungsreichtum kann die Gesellschaft insgesamt hoch innovativ machen. So könnte eine am Gemeinwohl, Nachhaltigem, Naturschonung und kooperativem Handeln orientierte Marktwirtschaft entstehen. Statt Konkurrenz wird Zusammenwirken zum wirtschaftlichen Motor. Probleme bei der gerechteren Regelung des Internationalen Warenaustausches können über UNO Strukturen angegangen werden.

Menschen trauen sich nur zu Veränderungen, wenn allen die ökonomische Existenzangst genommen ist, z.B. durch ein Minimalmenscheneinkommen für jeden. Ebenso wichtig ist eine für alle sichere Daseins-Fürsorge bei Krankheit und Alter. Sie ist nach Umorganisation der tragenden Sozial-Strukturen möglich. Demokratische Entscheidungen über Großinvestitionen beschleunigen den notwendigen strukturellen ökologischen Umbau. So kann eine neue starke einfache demokratische Ökonomie neue Erd- und Menschenschädigungen verhindern und beginnen alte aufzuräumen.

Das alles gelingt nur, wenn auch die lokale politischen Entscheidungen in kleinen Gemeinschaften weiter demokratisiert werden. Für alle sollte es normale bezahlte Bürgerpflicht sein, sich aktiv für eine frei gewählte und definierte Lebenszeit an politischen Entscheidungsgremien zu beteiligen. Für begrenzte Zeit gewählte Bürger ersetzen Berufspolitiker. Politische Entscheidungs-Prozesse werden so einfacher, schneller und kompetenter. Lokale politische Einheiten werden wieder lebendig und zu direkt Handelnden. Direkte Entscheidungen können vor Ort höchst detaillierte Verordnungen ersetzen. Ein auf das Wesentliche beschränkte kleines für alle lesbares Gesetzbuch könnte geschaffen werden. Eine Umstrukturierung staatlicher  Verwaltungsstrukturen und Entrümpelung bürokratischer Abläufe wären möglich. Überregionale und übernationale Institutionen würden analog demokratisiert. Für den sicheren Boden bei den Veränderungen sorgen innerstaatlich Grundgesetz und Menschenrechte der UN Charta. Ihre Einhaltung kontrollieren als dritte Gewalt eine reformierte demokratisierte unabhängige Justiz und die unabhängigen Medien als vierte Gewalt.

Menschen waren und sind nicht friedlich. Damit das Recht des Stärkeren ausgedient hat, wird innerstaatlich die Gewaltfreiheit durch den demokratischen Staat über sein Gewaltmonopol durchgesetzt. Zur akuten nichtmilitärischen und militärischen nationalen Verteidigung durch alle Bürger braucht man eine neue Strategie. Vor interstaatliche Gewalt schützt die UNO mit ihrem Internationalen Gewaltmonopol. Ihre militärisch optimal auch mit Atomwaffen ausgestatten Blauhelme verteidigen alle Mitgliedsstaaten aktiv. Über ihren Einsatz entscheidet die UN Vollversammlung. Die Gefahr weltweiter Atomkriege würde so  verringert. Ein Vorbild zur Lösung der Probleme der Menschheit gibt es nicht.

Mit Vernunft, Geduld, Optimismus, Lebensfreude und umfassender Demokratie könnten die Menschen sich und die Erde schützen.

Alltägliche Gewaltverherrlichung und ademokratischer Masochismus

dieter kaufmann